Übersicht der geplanten Veranstaltungen
1. Veranstaltung
6. Juni 2026,
15 Uhr, Gutshof Fratres
LITERATURCAFÉ AUF REISEN – VOM ZAUBER ALTER KURORTE
Was wäre Bad Ischl ohne das Café Zauner, Karlsbad ohne das Café Elefant, Tegernsee ohne das Bräustüberl? Nicht nur Kaiser und Könige schätzten das Leben in den berühmten Badeorten, hier wurde Weltgeschichte geschrieben, geliebt und intrigiert, gemalt, gedichtet und komponiert. Das Literaturcafé geht auf Reisen und besucht allegorisch die berühmten
Kurorte und Sommerfrischen der Monarchie.
VORTRAG HERTA NEISS
Herta Neiß, die Direktorin des Museums Bad Ischl, referiert über Bad Ischl als Kurort kakanischer Familien und Treffpunkt österreichischer Künstler, Dichter und Musiker.
AUF DEN SPUREN GOETHES UND STIFTERS
Peter Becher, Vorsitzender des Münchner Adalbert Stifter Vereins und Mitglied des tschechischen PEN-Clubs, geht den Spuren der Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Adalbert Stifter in Karlsbad nach und schildert den eigenen Weg zur Stadt seiner Vorfahren.
DER MALER, GRAFIKER UND KARIKATURIST OLAF GULBRANSSON
Gerd Holzheimer, Herausgeber der Zeitschrift „Literatur in Bayern“, Autor einer Biografie von Gerhard Polt, spricht über den norwegischen Maler, Grafiker und Karikaturisten Olaf Gulbransson (1873-1958), der auch am Tegernsee lebte. Olaf Gulbransson erlangte internationale Bekanntheit als Zeichner für die Satirezeitschrift Simplicissimus.
SCHLUSSRUNDE
Podiumsgespräch mit Gerd Holzheimer, Herta Neiß und Peter Becher. Die Moderation erfolgt durch
Monika Ziegler (KulturVision in Bayern).
KONZERT
Florian Burgmayr aus Oberbayern spielt nicht nur Tuba, Piano, Keyboard und Akkordeon, sondern begeistert auch mit Tieftongesang, und er komponiert und dichtet.
Kuratoren: Peter Becher, Monika Ziegler
Kaiser Franz Josef in Ischl
Gulbransson: „Ratifikation“
2. Veranstaltung
4. Juli 2026,
15 Uhr, Gutshof Fratres
DIE WEISSE KÖNIGIN – NANA ABENA ODOSSO II.
Christine Refaei alias Nana Abena Odosso II. ist eine der ganz wenigen weißen Königinnen auf dem afrikanischen Kontinent. Sie kam 1998 über ihr Anthropologiestudium nach Akropong im Osten Ghanas und hat dort über die Jahre eine enge Ver-bindung zur lokalen Gemeinschaft aufgebaut. Der von Christine Refaei gegründete Verein „Help4Ghana“ hat in den letzten 25 Jahren die Schulkosten von 6.000 Kindern übernommen. – Königin Nana Odosso II. ist zu Besuch in Fratres.
DOKUMENTARFILM „OBRONI“
Der Film „Obroni“ behandelt die Geschichte von Christine Refaei als Königin Nana Abena Odosso II. und die Verbindung von traditioneller Kultur Afrikas im Rahmen einer modernen Gesellschaft. Das in mehr als zehn Jahren gesammelte Filmmaterial für den Dokumentarfilm von Helmut Schwarz soll „dem Zuschauer Einblicke in eine Welt vermitteln, die fremder zu dem uns Gewohnten nicht sein kann und dennoch ein integrierter Teil unseres globalen Daseins ist“.
MUSIK AUS GHANA
Ein aus ghanaischen Sängern bestehender Chor untermalt die Wortprogramme mit traditioneller afrikanischer Musik.
DER VEREIN HELP4GHANA
Helmut Schwarz, Dokumentarfilmer und Vorstandsmitglied des Vereins Help4Ghana, hält einen multimedial gestaltetenen Eröffnungsvortrag. Christine Refaei alias Nana Odosso II., die Queenmother for Development („Nkosua-hemmea“) der Kronti Division der Akuapem, berichtet über die von ihr umgesetzten Projekte, insbesondere solche, die benachteiligten Kindern den Schulbesuch ermöglichen.
PODIUMSGESPRÄCH
Es diskutieren die weiße Königin Nana Abena Odosso II., der Kurator des Thementages und Filmemacher Helmut Schwarz sowie Alexis Neuberg, der Gründer und Betreiber des Kultursenders Radio Afrika TV.
AFRIKA-BASAR MIT KULINARIKUM
In einem Basar werden original ghanaische Stoffe, Schmuck, und Kulturgegenstände angeboten. Zum Verkosten in der Pause wird das ghanaische Traditionsgericht Red-Red aus herzhafter Bohnenpaste und Kochbananen zubereitet. Der Erlös geht an die Charity-Organisation „Help4Ghana“.
Kurator: Helmut Schwarz
Königin Nana Odosso II.
Help4Ghana
3. Veranstaltung
25. Juli 2026,
15 Uhr, Gutshof Fratres
DIE SÜDSEE – KLISCHEE UND WIRKLICHKEIT
Die pazifische Inselwelt Ozeaniens gilt als periphere Weltregion, die jedoch geopolitisch ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist. Dass diese durch tropisches Klima geprägten Inselgruppen eine reichhaltige kulturelle Vielfalt aufweisen und bei uns vor allem durch das verklärte Bild der „Südsee“ bekannt sind, wird im Rahmen dieses Thementags beleuchtet. Klischees und tatsächliche Gegebenheiten werden einander gegenübergestellt.
OZEANIEN – STEREOTYPEN EINER EXOTISCHEN WELT
Anhand mehrerer Beispiele wird die außerordentliche kulturelle Vielfalt Ozeaniens in seinen drei Großregionen Melanesien, Mikronesien und Polynesien dar-gestellt, von den Papuas in Neuguinea bis zu den Moais auf der Osterinsel. Dabei haben stereotype Vorstellungen zur Südsee seit der europäischen Entdeckerepoche das Bild dieser Weltregion geprägt und auch Eingang in die westliche Populärkultur gefunden. Neben den Schönheiten der pazifischen Inselwelt werden auch aktuelle Herausforderungen skizziert, die das Leben auf den Inseln prägen.
WAS BEDEUTET „HAWAII SHEET MUSIC“?
Die klassischen Südsee-Klischees wurden bei der graphischen Gestaltung der Musiknoten-Covers immer wieder in einer verklärten und unrealistischen Interpretation aufgegriffen, um damit konkurrenzfähig zu bleiben. Der Ethnohistoriker und Kulturanthropologe Hermann Mückler analysiert die Intentionen der Produzenten sowie die Leistungen der Grafiker, die die wenigen wiederkehrenden Stereotypen über Hawaii und die Südseevölker ansprechend darstellen mussten.
AUSSTELLUNG: „TIN PAN ALLEY“ - PLAKATE
Hermann Mückler stellt seinen prächtigen Bildband „The Art of Hawaii Sheet Music“ vor. Aus seiner Privatsammlung präsentiert er Originalplakate dieser in den USA gewachsenen Tradition der Hawaii-Musik der Tin Pan Alley Ära (1880er- bis 1940er-Jahre), in der Tausende von hawaiianischen Liedern komponiert wurden.
MUSIKBEITRAG
Tropische Klänge bilden den musikalischen Rahmen.
Kurator: Hermann Mückler
Aloha Oe
Honolulu Lou
4. Veranstaltung
8. August 2026,
15 Uhr, Gutshof Fratres
NS-EUTHANASIE IM DRITTEN REICH – VERNICHTUNG VON „UNWERTEM LEBEN“
In Österreich wurden während der NS-Zeit auch Kinder und Erwachsene mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen sowie psychiatrischen Erkrankungen systematisch ermordet. – Eine hochkarätige Runde aus Historikern, Psychologen und Autoren nähert sich aus verschiedenen Fachrichtungen diesem Thema, das nach Jahrzehnten der Verdrängung noch lange nicht in allen seinen Aspekten aufgearbeitet wurde.
EIN MÄDCHEN AUS FRATRES
Erich Kerschbaumer, Stadtarchivar von Raabs an der Thaya, stellt in seinem Vortrag den regionalen Bezug zum Thema NS-Euthanasie im Waldviertel her. Im Gutshof von Fratres lebte in der Zeit der NS-Herrschaft ein Mädchen, das in die damalige Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ in Wien gebracht und dort getötet wurde. Philipp Mettauer, Historiker und Politikwissenschaftler am Institut für jüdische Geschichte Österreichs, wissenschaftlicher Beirat bei der NÖ Landesausstellung 2026 im Landesklinikum Mauer bei Amstetten, spricht über NS-Psychiatrie und Medizinverbrechen.
IMPULSREFERATE UND PODIUMSDISKUSSION
Mit: Paulus Hochgatterer, Kinder- und Jugendpsychiater, Schriftsteller, wissenschaftlicher Beirat der NÖ Landesausstellung; Oliver Lehmann, Wissenschaftsmanager, Autor des Buches „In den Fängen des Dr. Gross – Das misshandelte Leben des Friedrich Zawrel“; Wolfgang Müller-Funk, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Autor des Buches „Crudelitas – Diskursgeschichte der Grausamkeit“; Robert Kraner, Gründer der Schreibwerkstatt Waldviertel und der ersten grenzüberschreitenden Schreibwerkstatt in Nové Hrady (Gratzen), Autor des Buches „Valerie – Feuer, Asche, Ruß in Hartheim“.
AUSSTELLUNG: BILDER VON ANDREA GEDL
Andrea Gedl, Klinische Psychologin und zeitgenössische Malerin, studierte in der Meisterklasse von Christian Ludwig Attersee. Ausstellungen im In- und Ausland.
JAZZ & WORLD MUSIC
Wiens „First Couple of Jazz“ - Michaela Rabitsch (Sängerin, Österreichs einzige Top-Jazztrompeterin) & Robert Pawlik (Gitarre) - würzt Jazz mit einer Prise World Music.
Kuratorin: Elisabeth Krisch-Kranich
Andrea Gedl: „Wohin wir gehen …“
Paulus Hochgatterer
5. Veranstaltung
29. August 2026,
15 Uhr, Gutshof Fratres
DIE „CHARTA 77“ - „NACHTASYL“: KEIMZELLE DES WIDERSTANDS
Die Initiative der Charta 77 entstand 1977 als Reaktion auf die Unterdrückung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei. Sie forderte die Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte, die in internationalen Abkommen wie der KSZE-Schlussakte von Helsinki garantiert waren. Hauptverfasser der Erklärung und erste Sprecher der Bewegung waren der Dramatiker Václav Havel, der Philosoph Jan Patočka und der ehemalige Außenminister Jiří Hájek.
VORTRAG UND MODERATION
Ivana Chmel Denčevová, Radiomoderatorin, Redakteurin, Publizistin, befasst sich mit Projekten aus der modernen Geschichte. Seit November 2023 ist sie Mitglied des Rates des Tschechischen Fernsehens.
Abbé Libánský, Fotograf, bildender Künstler, Unterzeichner der Charta 77, dokumentierte die Underground-Szene fotografisch. 1982 Abschiebung nach Österreich. Jiří Chmel gehörte in den 1970er-Jahren zur Underground-Szene. 1982 nach politischer Verfolgung und 18 Monaten Gefängnis im Zuge der Asanace Ausweisung nach Öster-reich. 1987 Gründung des Clubs Nachtasyl in Wien, der zum Treffpunkt der tschechischen Kulturszene in Wien wurde.
ASANACE
Die „Asanace" war eine geheime Aktion des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei, die darauf abzielte, unliebsame Dissidenten und Kritiker, die die Charta 77 unterschrieben hatten, unter Druck zu setzen und zur Emigration zu zwingen.
FILM: „DIE HEIMAT DER HEIMATLOSEN“
Ein Film über den Club „Nachtasyl“. Regie und Drehbuch: Josef Haslinger, Schriftsteller und Universitätsprofessor. Unter anderem schrieb er die Romane „Opernball“, „Das Vaterspiel“ und „Jachymov“.
AUSSTELLUNG: DAVID BARTOŇ
In seinem Gemäldezyklus „Helden der sozialistischen Arbeit“ zeigt der Künstler David Bartoň kommunistische Funktionäre als geistlose Verbrecherfiguren.
FOLK MUSIC & PROTESTSONGS
Jaroslav Hutka, Folk-Musiker, Komponist und Liedermacher, Autor der berühmten Protestsongs „Havlíčku“, „Havle“ und „Náměšť “. Er war ein bedeutender Vertreter der Dissidentenbewegung und lebte nach der Asanace elf Jahre lang im unfreiwilligen Exil.
Kuratorin: Jana Zoglauer Vinšová
Jiří Chmel vor dem Nachtasyl
Josef Haslinger