1. Veranstaltung - 6. Juni 2026


Literaturcafé auf Reisen – vom Zauber alter Kurorte

Was wäre Bad Ischl ohne das Café Zauner, Karlsbad ohne das Café Elefant, Tegernsee ohne das Bräustüberl? Die berühmten Kurorte und Sommerfrischen der Monarchie waren mehr als bloße Erholungsorte – sie waren Bühnen des Lebens, auf denen Kaiser und Könige, Dichter und Maler einander begegneten, liebten und intrigierten, komponierten und malten. Das „Literaturcafé auf Reisen“ aus dem Landkreis Miesbach begab sich auf die Reise in die Kulturbrücke und eröffnete die Erste Veranstaltung 2026.

Herta Neiß - Direktorin des Museums Bad Ischl ist eine der besten Kennerinnen jener Stadt, die einst das Herz der Sommerfrische schlug. Mit der Leidenschaft einer Erzählerin führte sie durch Bad Ischl als Kurort kakanischer Familien – durch Gassen und Gesellschaften, in denen österreichische Künstler, Dichter und Musiker ein und aus gingen. Und mit dem Wissen einer Historikerin öffnete sie den Blick auf die Tiefe dieser Kultur: auf das Salz, das diese Stadt geboren hat, und auf die Geschichte seiner Gewinnung, die alles erst möglich machte.

Peter Becher - Vorsitzender des Münchner Adalbert Stifter Vereins. Karlsbad war eine Stadt der Wiederkehr – ein Ort, zu dem die Großen der Geistesgeschichte immer wieder fanden. Peter Becher, selbst ein Mann mit Wurzeln in dieser Landschaft, folgte zwei ihrer bedeutendsten Gäste: Goethe, der hier kurte und dichtete, und Adalbert Stifter, der in den böhmischen Wäldern seine innere Welt fand. Bechers Spurensuche war zugleich eine persönliche Reise – ein Weg zur Stadt seiner Vorfahren, durch Literatur, Erinnerung und das Gewebe mitteleuropäischer Geschichte.

Gerd Holzheimer - Herausgeber von „Literatur in Bayern". Olaf Gulbransson kam aus Norwegen und fand am Tegernsee sein Zuhause. Gerd Holzheimer zeichnete das Porträt eines Künstlers, der mit dem spitzen Stift die Welt entlarvte: Gulbranssons Karikaturen im Simplicissimus gehören zu den schärfsten und zugleich schönsten, die das frühe zwanzigste Jahrhundert hervorgebracht hat. Holzheimer erzählte von einem Mann zwischen zwei Welten – dem Norden und dem bayerischen Voralpenland, dem großen Ruhm und der stillen Zurückgezogenheit am See.

Den Nachmittag umrahmte Florian Burgmayr aus Oberbayern mit Tuba, Piano und Akkordeon – und mit eigenen Kompositionen den Vorträgen seine eigene, unverwechselbare Stimmung gaben.

Kuratiert von Peter Becher und Monika Ziegler

Fotos: © Hannes Reisinger

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