Die Südsee – Klischee und Wirklichkeit
Klischeehafte Vorstellung und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Die Kulturbrücke-Veranstaltung beschäftigte sich mit der Realität der Inselwelt. Wenn von Hawaii und der Südsee die Rede ist, hat man oftmals leicht gekleidete, mit Blumenketten behängte Hula-Mädchen im Kopf, die zu süßlichen Melodien verführerisch tanzen. Dass die Realität der pazifischen Inselwelt eine völlig andere ist, zeigte der Ethno-Historiker und Professor für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien, Hermann Mückler, bei der Veranstaltung.
Ein Blick in die Geschichte Ozeaniens
Der Kulturraum Ozeanien wurde in mehreren großen Wellen besiedelt. Bereits vor rund 40.000–60.000 Jahren erreichten die ersten Menschen von Südostasien aus Neuguinea und Australien. Ab etwa 1500 v. Chr. breiteten sich austronesische Seefahrer – Träger der sogenannten Lapita-Kultur – über weite Teile Melanesiens aus und erreichten in den folgenden Jahrhunderten mit bemerkenswerter Navigationskunst über offenes Meer auch entlegene Inseln Polynesiens, darunter schließlich Hawaii, die Osterinsel und Neuseeland.
Der europäische Erstkontakt begann im 16. Jahrhundert mit spanischen und portugiesischen Seefahrern, intensivierte sich jedoch vor allem im 18. Jahrhundert durch die Erkundungsreisen James Cooks. Im 19. Jahrhundert folgten Missionierung, Handel und schließlich die koloniale Aufteilung der Region unter europäischen Mächten sowie den USA – 1898 etwa die Annexion Hawaiis durch die Vereinigten Staaten, die maßgeblich zur Verbreitung des romantisierenden Südsee-Bildes im Westen beitrug.
Der Zweite Weltkrieg brachte mit erbitterten Kämpfen im Pazifik massive Zerstörung und Umbrüche für viele Inselgesellschaften. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangten zahlreiche Staaten Ozeaniens ihre Unabhängigkeit, darunter Fidschi, Samoa und Papua-Neuguinea. Bis heute prägen die koloniale Vergangenheit und ihre Folgen die Region – ebenso wie aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel, der viele Inseln durch den steigenden Meeresspiegel bedroht.
Klischees und Realität
Wie kam es zu den klassischen Südsee-Klischees? Nach der Annexion Hawaiis 1898 stieg in den USA das Interesse an den polynesischen Inseln sprunghaft an. Die sogenannte Hawaii-Musik, gespielt mit der Ukulele, eroberte Amerika im Sturm. Hunderte Hawaii-Lieder wurden komponiert und mit raffiniert gestalteten Notenumschlägen versehen, die alle erdenklichen Stereotypen aufgriffen.
Im Galerieraum des Museum Humanum präsentierte Hermann Mückler eine Auswahl von Musiknoten-Covers der sogenannten „Tin-Pan-Alley"-Ära (1880–1940). Seine Privatsammlung ist mit 2000 Originalen die weltweit größte Kollektion zu diesem Thema. Die Besucher hatten zudem Gelegenheit, in seinem Bildband „The Art of Hawaii Sheet Music" zu blättern. Die Ausstellung ist bis 27. August zu sehen.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Brazilian Love Affair" – Laurinho Bandeira de Souza (Percussion), Ulrike Handler (Gesang) und Stephan Rodtmann (Gitarre).
Kulturaustausch als Chance
Am selben Tag wurde im grenznahen Schloss Ebergersch (Zámek Dobrohoř) in Tschechien eine auf fünf Jahre anberaumte Ausstellung mit Leihgaben der Afrika-Sammlung Peter Krejsa eröffnet. Museumsbetreiber Peter Coreth betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung des Kulturaustausches – die Neugier auf fremde Kulturen berge die größte Chance für gegenseitiges Verständnis und friedlichen Umgang miteinander.
Fotos: © Hannes Reisinger
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