5. Veranstaltung - 29. August 2026

Die „Charta 77“ - „Nachtasyl“: Keimzelle des Widerstands 

Am Samstag, den 29. August, fand die fünfte Veranstaltung der Kulturbrücke Fratres des Jahres statt – gewidmet der Charta 77 und ihrer Wiener Fortsetzung, dem Club „Nachtasyl". Der Saal war wieder sehr voll, auch dank zahlreicher Gäste aus Tschechien, darunter der Präsident des tschechischen Senats sowie der Kulturattaché der Botschaft in Wien.

Die Charta 77 entstand 1977 als mutige Reaktion auf die Unterdrückung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei, angeführt von Václav Havel, Jan Patočka und Jiří Hájek. Wer unterzeichnete, geriet ins Visier des Regimes: Mit der „Asanace" wurden Dissidenten gezielt unter Druck gesetzt und zur Emigration gezwungen – ein Schicksal, das auch die beiden Gäste des Abends traf.

Im Gespräch mit Moderatorin Ivana Chmel Denčevová berichteten zwei Zeitzeugen: Abbé Libánský und Jiří Chmel

Abbé Libánský, Fotograf und Charta-77-Unterzeichner, dokumentierte die Underground-Szene und wurde 1982 nach Österreich abgeschoben. 

Jiří Chmel, ebenfalls Teil der Underground-Szene, saß 18 Monate im Gefängnis, wurde 1982 ausgewiesen und gründete 1987 in Wien den Club Nachtasyl – bis Februar 2021 Treffpunkt der tschechischen Kulturszene im Exil. Das Publikum erhielt bewegende Einblicke in Verfolgung, Exil und den Fall des Eisernen Vorhangs.

Nach der Pause im Innenhof – auch hier viele Gespräche mit dem Senatspräsidenten – interviewte Kuratorin Jana Zoglauer Vinšová den Schriftsteller Josef Haslinger zu seinem Film „Die Heimat der Heimatlosen", der aus einem Besuch im Nachtasyl entstand und mit Unterstützung von Jiří Chmel realisiert wurde.

Sieh auch Link unten.

Parallel dazu zeigte die Ausstellung des Malers David Bartoň Werke aus dem Zyklus „Helden der sozialistischen Arbeit", der kommunistische Funktionäre schonungslos porträtiert.

Musikalisch sollte Jaroslav Hutka, Liedermacher und Ikone der Dissidentenbewegung, den Abend begleiten – musste jedoch krankheitsbedingt absagen. Gezeigt wurde stattdessen ein Mitschnitt seines Auftritts im Nachtasyl.

Kuratorin: Jana Zoglauer Vinšová Fotos: © Hannes Reisinger

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