1. Veranstaltung - 5. Juli 2025


Die Hölle von Jachymov und die Engel der Skauts

In der Tschechoslowakei gab es jahrelang Arbeitslager, in denen politische Strafgefangene unter lebensgefährlichen Bedingungen Uran fördern mussten. Kuratorin Jana Zoglauer-Vinšová rief bei der Kulturbrücke-Veranstaltung „Die Hölle von Jáchymov“ am 5. Juli die Erinnerung daran wach.

Der Prager Historiker Tomáš Bouška und die Zeitzeugen Jindřich Valenta (90), Jiří Lukšiček (92) und Milan Horáček (79) und der Autor Václav Pavlovec waren dafür nach Fratres gereist. Auch der tschechische Botschafter Jiří Šitler war gekommen.

Von 1949 bis 1961 mussten etwa 70.000 – zumeist politische - Häftlinge Uran in den Bergwerkstollen von Jáchymov abbauen, mit dem die Sowjetunion beliefert wurde. Bei der Arbeit in den Gruben kam es zu Verletzungen und oft tödlichen Erkrankungen durch radioaktive Strahlung. Unter den Gefangenen waren auch Mitglieder der Pfadfinder, zu denen Valenta, Lukšiček und Horáček gehörten. Die kommunistische Partei hatte 1948 die Pfadfinderbewegung verboten, da sie diese als Gefahr für das Regime ansah. Die Buben hielten jedoch weiterhin illegale Treffen ab, überstrichen Plakate der KP mit Kalk, hinderten Busse mit Offizieren an der Fahrt, indem sie die Luft aus den Reifen ließen, stoppten durch Hindernisse einen Zug mit KP-Funktionären. Sie wurden deshalb verhaftet und nach Jáchymov gebracht. Die drei heute betagten Männer Valenta, Lukšiček und Horáček berichteten über die Geschehnisse dort und über das Leben danach. Im Lager verständigten sie sich untereinander so, dass sie Nachrichten im Morse-Alphabet gegen die Wand klopften. Wieder in Freiheit, war ihr Leben alles andere als einfach, sie galten als politisch unzuverlässig und wurden gemieden. Václav Pavlovec erzählte, dass sein Vater Radek im Lager verbotenerweise Radios baute, mit denen die Häftlinge illegal den Sender Radio Free Europe hören konnten. In Fratres war ein solches Orginal-Radio zu sehen.

Das großartige „Orchestr Šarbilach“ unter Dirigent Dominik Svoboda bot Klezmer-Musik, Film-Soundtracks und als Zugabe das berühmte jiddische Lied „Bei mir bistu shein“. 

Text: Monika Freisel, Fotos: © hannes reisinger

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