5. Veranstaltung - 6. September 2025

 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Fluch oder Segen für die Menschheit?

Die Künstliche Intelligenz (KI) kommt bereits in vielen Lebensbereichen zum Einsatz, in der Medizin, in Unternehmen, Banken oder Übersetzungsprogrammen. Zumeist merken wir gar nicht, dass wir Kontakt zu einer KI haben. Das Thema der Kulturbücke-Veranstaltung am vergangenen Samstag war der digitalen Zukunft mit KI gewidmet und beschäftigte sich mit den Fragen, ob KI Fluch oder Segen für die Menschheit bringt und was Wissenschaft und Kultur zu dem Diskurs beitragen können. „Ist die Künstliche Intelligenz die Büchse der Pandora?“, fragte Kuratorin Monika Ziegler in ihrer Begrüßungsrede.

 Im Veranstaltungssaal des Gutshofs waren KI-generierte Werke von Ana Vollwesen ausgestellt. Die multidisziplinäre Wiener Künstlerin schrieb der KI vor, was sie zu tun hat, und verfeinerte das Ergebnis wiederholte Male. Die skurilen Bilder von Nonnen in aberwitzigen Situationen, umgeben von Haien, auf einem Skateboard oder in einem rosa Schwimmreifen, ließen dem Betrachter Spielraum für individuelle Interpretationen. Ist es Kunst? - Diese Frage stellte sich so mancher Besucher.

 Jaromir Konecny, Professor für Künstliche Intelligenz an der Fernhochschule SRH, Schriftsteller und Poetry-Slammer, zeigte in seinem Vortrag auf humorvoll-ironische Weise in vielen Beispielen auf, wo die Grenzen der Künstlichen Intelligenz sind, was wir Menschen besser können und was KI besser kann. Konecny erzählte von einem seiner Auftritte in einem Poetry-Slam-Bewerb, in denen KI immer strengstens verboten ist. Dennoch hat er einen KI-generierten Text vorgetragen und wurde dafür wie ein Rockstar gefeiert. Er erklärte das damit, dass es seine Performance war, die das Publikum begeisterte, nicht der Text, denn der sei „ein Haufen Scheiße“ gewesen. Auf Grundlage des Zitats von Albert Einstein „Gott würfelt nicht“ erhielt KI den Auftrag, ein Werk zu generieren, das zeigt, wie Einstein Gott beim Würfeln zusieht. Das Ergebnis war ein Bild, das den Physiker vor einem Würfel sitzend darstellt, der auf allen Seiten mit sechs Punkten versehen war. Dass KI nicht denken kann, nicht interpretieren und nur sehr geringe Fähigkeiten für Überraschungen hat, belegte Konecny ebenfalls in mehreren Szenarien.

Kann ChatGPT Film? Andreas Wolkenstein, Philosoph und Medizinethiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zeigte den Dokumentationsfilm „Rosa Luxemburg – Ein Leben für die Revolution“ aus der ZDF-Reihe „Deepfake Diaries“. In dieser Fernsehserie werden mit Hilfe von KI-Technologie bedeutende Menschen aus der Vergangenheit ins Heute geholt und erzählen, basierend auf historischen Quellen, aus ihrem eigenen Leben. Die Gesichtszüge der Darstellerin der Rosa Luxemburg wurden durch KI geändert und dem der Revolutionärin und Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung angepasst.

Für die darauffolgende Diskussion bat Andreas Wolkenstein den Philosophen und Soziologen Sebastian Schleidgen auf das Podium. Im Mittelpunkt des Diskurses stand die Frage, wie wir menschliche Intelligenz nutzen können, um das Beste aus KI herauszuholen. Die beiden KI-Experten debattierten nicht über den strengen Gegensatz von Mensch und Maschine, sondern über das Potential einer gelungenen Mensch-Maschine-Interaktion. ChatGPT birgt besondere Herausforderungen: die vielen technischen und sozialen Wechselwirkungen, die entstehen, wenn KI-generierte Texte in neue Produkte einfließen, und dass unsere Wahrnehmung dessen, was real ist und was nicht, durch KI grundlegend geändert wird. ChatGPT basiert auf sogenannten Large Language Models (LLM), das sind Sprachmodelle, die auf Billionen von Datenmengen trainiert wurden und dadurch die natürliche Sprache und deren Inhalte verstehen, generieren und eine Fülle von Aufgaben erfüllen können.

Das Streitgespräch in Fratres wurde aufgenommen und ist nun auf Social Media wie YouTube, Instagram, Facebook, Bluesky oder LinkedIn und überall dort, wo es Podcasts gibt, zu sehen.

Trombitas ist das litauische Wort für Trompete, die Singer/Songwriterin Tamara Trombitas spielt jedoch Gitarre, ist in Österreich geboren und war einige Jahre lang in Markl bei Windigsteig zu Hause. In Fratres präsentierte sie Lieder mit Anklängen an Rap und Soul, in deutscher, englischer, auch französischer Sprache, selbstgeschriebene Songs und solche von Janis Joplin, Queen, Gloria Gaynor und Reinhard Mey. Ihre Stimme und ihr Gitarrenspiel bedürfen keiner Künstlichen Intelligenz. „Sie spielt Musik, von Hand gemacht, und holt uns auf den Boden der Realität zurück“, wie Kuratorin Monika Ziegler treffend vermerkte.

Am Schluss war das Publikum aufgefordert, Fragen zu stellen und Kommentare einzubringen. Auf die Frage, wie man Fake News verhindern könne, antwortete Jaromir Konecny, dass es Fehlinformationenn auch schon vor der KI gegeben habe. Wir müssten unsere Sinne schärfen gegen diesen „Mist“ und alles sehr kritisch betrachten. Eine Besucherin meinte, dass die in Fratres gezeigten KI-generierten Bilder aus ihrer Sicht keine Kunst seien. Kunst sei etwas, das sie innerlich bewege, an diesen Bildern berühre sie jedoch gar nichts. Die KI sei ein Sabotageakt an einem wesentlichen Teil der Kunst, nämlich der Kummunikation und der Liebe, war ein Einwand eines anderen Gastes. Sebastian Schleidgen erwiderte, dass Kunst ein Medium sei, auf der einen Seite stünden die Kunst oder die KI, auf der andern die Rezipienten, dazwischen das Kunstwerk. das Bild, die Musik. Andreas Wolkenstein ergänzte, dass KI nicht ganz ohne Kommunikation sie, sie wurde ja auf Sprachwissen trainiert. Und Jaromir Konecny meinte, dass für ihn KI eine neue Kunstsparte sei. Auch die Fotografie sei anfangs verteufelt worden, bis man festgestellt hat, dass dies eine neue Kunstform sein kann. KI kenne allerdings keine Perplexität, also keine Überraschung oder Erstaunen.

Text: Monika Freisel, Fotos: © hannes reisinger

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