SPRACHEN DER MASKEN – MASKEN DER SPRACHE
Kunst und Literatur in Afrika
Die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Literatur in Afrika waren Thema dieser Kulturbrückeveranstaltung.
Daniel Romuald Bitouh, der Kurator des Thementages, ist Literaturwissenschafter, Buchautor, Gründer und Leiter von Afrieurotext, eines Wiener Kulturvereins mit entwicklungspolitischen und sozialunternehmerischen Agenden in Österreich und Afrika. Bitouh erläuterte in seinem Vortrag, wie afrikanische Kunst in Texten der afrikanischen Literatur vorkommt und welche Narrative und Vorstellungen über die Entstehung der Welt hinter den Kunstobjekten Afrikas stecken. Die Masken und Skulpturen sind stets eng mit menschlichen Anliegen verwoben, erfüllen gesellschaftliche Funktionen und basieren auf afrikanischen Mythologien. Im Galerieraum des Museum Humanum erklärte Bitouh anhand von ausgestellten Bildern und Textilien den Kontext von Kunst und Erzählungen und deren Wirkung auf das familiäre und gemeinschaftliche Zusammenleben.
Peter Coreth, Gründer der Kulturbrücke und des Museum Humanum, stellte sein kürzlich erschienenes Buch „Maske. Macht. Identität.“ vor, in dem beeindruckende, aus den westafrikanischen Grasslands stammende Objekte der Sammlung Peter Krejsa abgebildet und beschrieben sind. Peter Krejsa hat in Kamerun bedeutende humanitäre Initiativen wie sauberes Wasser, Familienplanung und Grundbildung initiiert. In seiner Zeit als Minister und Zweiter Adjutant des Königs von Bamendjinda trug er – mit dem Segen der Könige – eine Sammlung höfischer Kunst- und Kultgegenstände zusammen, die jetzt als Bestandteil des Museum Humanum zu bewundern sind.
Alicia Bianca Chisom Okwuora, in Österreich lebende Grafikerin und Malerin aus Nigeria, präsentierte am Beispiel der Bamun-Schrift und der Bamun-Kunst die Beziehungen zwischen Literatur und Kunst und las aus „The Palm-Wine Drinkard“ (Der Palmweintrinker) des nigerianischen Autors Amos Tutuola, einem der wichtigsten Texte der afrikanischen zeitgenössischen Literatur, und aus „The Lake Goddess“ (Die Göttin des Sees) der Autorin Flora Nwapa aus Nigeria. Beide Texte hat Alicia Okwuora selbst ins Deutsche übersetzt.
Mame Yoro Diallo, Student an der Karlsuniversität in Prag, widmete seinen Vortrag dem Thema „Spiegelung der Maskenkunst in der westafrikanischen Literatur“ mit besonderem Bezug zum Senegal, aus dem er selber stammt.
Der aus Burkina Faso stammende, das Lauteninstrument N’Goni spielende Sänger Adama Dicko sorgte gemeinsam mit dem Kalebasse-Drummer Kiswend-sida Mikhaïlou („Mike“) Dera für den musikalischen Rahmen. Das Duo präsentierte hinreißende Musik mit energiegeladenem Sound zwischen Jazz, Raggae und Sahel-Blues aus Westafrika. Adama Dicko ist nicht nur Musiker, er baut auch seine Instrumente selber und komponiert. Mike Dera leitet die EZA (EntwicklungsZusammenArbeit) der Österreichischen JungArbeiterBewegung ÖJAB, deren Fokus auf Förderung des Wachstums als Grundstein für wirksame Armutsbekämpfung gerichtet ist.
Als Gäste begrüßt wurden auch John Douglas Marshall, Vizepräsident des Vereins Weltmuseum Wien Friends, und Salif Nikiema, Vorstand des Vereins „Stimmen für Afrika“, der sich für Bildung, Soziales und Gesundheit in Westafrika einsetzt.
Text: Monika Freisel, Fotos: © hannes reisinger